Das erste Opfer (Monday Club #1) – Krystyna Kuhn

Wahrscheinlich bin ich in der Minderheit, wenn ich auf die Frage „Was hat dir an Monday Club am besten gefallen?“ mit „Das Cover“ antworte.

Den Hype verstehe ich wirklich nicht. Dieser erste Band der Trilogie schleicht nur so dahin und die ersten 200 Seiten lang habe ich mich gefragt, worauf ich eigentlich warte. Denn es passiert einfach nichts.

Dad sagte oft, dass Menschen nun einmal Fehler machten. Und der Grund dafür schien plötzlich offensichtlich: Manchmal hatte man einfach keine Alternative.

In „Das erste Opfer“ von Krystyna Kuhn geht es um Faye… nein, um Fayes beste Freundin Amy, die plötzlich stirbt. Die Todesumstände sind undurchsichtig und widersprüchlich, und genau die gilt es aufzudecken.

Dummerweise tut Faye genau das nicht. Sie bekommt von allen Seiten Hinweise, dass etwas gewaltig faul ist – ihre Tante setzt sie ständig unter Schlafmedikamente, angeblich natürlich nur, um ihr mit ihrer Schlafkrankheit zu helfen, dabei ist mehr als offensichtlich, dass Liz Geheimnisse hat. Leute, die näheres wissen könnten, wollen mit ihr reden – doch 200 Seiten lang blockt sie ab und ist lieber mit sich selbst und ihrer Trauer beschäftigt.

Die Autorin verteilt einzelne Informationen verstreut im Buch, aber da Faye nicht handelt, weiß man mit den Puzzelteilen leider nichts anzufangen – man sieht den Sinn dahinter nicht, weil alles verschwimmt. Außerdem wird der Leser damit ausgeschlossen statt hineingezogen. Für einen Thriller kommt so viel zu wenig Spannung auf, die Geschichte ist nicht authentisch.

Auf den letzten 100 bis 150 Seiten passiert dann doch endlich was, Faye kann die Hinweise nicht mehr ignorieren. Das mag vor allem an dem mysteriösen neuen Typen in der Stadt, Luke, liegen. Ihm hilft sie, etwas über seine Familie herauszufinden, und stößt dabei auf ein paar brisante Infos zu Amy. Leider geht sie denen dann weiterhin nicht nach und wartet, bis ihr die Antwort in den Schoß fällt.

Generell war der Handlungsverlauf sehr enttäuschend. Laut Inhaltsangabe sollte Fayes Schlafkrankheitwichtig sein, da es ihr nicht möglich ist, zwischen Traum und Realität zu unterscheiden. Im Buch allerdings spielt dieser Aspekt kaum eine Rolle, als Leser weiß man durch sprachliche Markierungen genau, wann sie Träumt und wann nicht.

Was mir gefallen hat, war Missy – die Verrückte des Dorfes, die vielleicht doch nicht so verrückt ist, wie alle glauben. Man ahnt sehr schnell, dass mehr hinter ihrem wirren Gerede steckt, auch wenn Faye dafür bis zum Buchende braucht, weil sie Angst hat, selbst verrückt zu werden. Das Buch enthält generell für meinen Geschmack viel zu viele Figuren, sodass ich enorme Probleme hatte, mir die Namen zu merken. Die Rolle der meisten ist mir nach wie vor unklar.

Das Buch endet mit einem Cliffhanger. Amys Fall kommt in gewisser Weise zu einem Ende, aber es bleiben unendlich viele Dinge offen, die dann vermutlich im weiteren Verlauf der Trilogie aufgegriffen werden. Der (titelgebende!) Monday Club hat bisher nur eine Randrolle gespielt, aber er scheint mit dem paranormalen Aspekt in Zusammenhang zu stehen, der gegen Ende des Buches langsam zum Vorschein kommt.

Für einen Thriller ist dieses Buch alles andere als spannend und gepackt hat mich die Geschichte leider überhaupt nicht, eher am Rand stehen gelassen.

Ich würde das Buch nur empfehlen, wenn man sich, egal was kommt, zur Trilogie durchringen kann und nichts gegen langatmige, 200 Seiten lange „Einstiege“ hat. 
Und wenn man auf schöne Cover im Buchregal steht.

Seiten: 384 (Hardcover)

ISBN: 978-3-7891-4061-7

Erschienen: Bei Oetinger (2015)

Zur Autorin: Krystyna Kuhn

Buchcover: ©Oetinger Verlag

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